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STRESS IN SECHS ZIMMERN (DNN 27. September 2014)
Stress in sechs Zimmern
„Expression" spielt Michail Bulgakow auf Russisch

Es sind die frühen 20er Jahre, die späterhin sogenannte Weltrevolution ist erst wenige Jahre Geschichte und steckt daher noch in ihren Kinderschuhen. Doch in Moskau – der Hauptstadt der neuen revolutionären Weltordnung – kann man durchaus sehr großzügig leben. Nämlich zu zweit in immerhin sechs Zimmern. Was soll’s? Solange die junge Sowjetmacht nicht mitbekommt, was da im Schatten so alles geschieht.

Nun aber soll die Witwe Soja Denissowna Pelz (Liubow Kliuchnikova) ihren Platz auf einmal mit anderen teilen müssen. Das aber möchte Soja auf jeden Fall verhindern, so wechselt eine gewisse Summe den Besitzer und wandert aus Sojas Händen in die des Hausverwalters Portupeja (Alexander Lanzewski). Der ist in solcherlei Dingen ein ausgewiesenes Schlitzohr. Und schon kann Soja ihr bequemes Leben sozusagen unter den Augen der Sowjetmacht weiterführen. Bis sich bei ihr nach und nach allerhand ihr bekannte, aber auch sehr zweifelhafte Besucher einstellen. Dazu kommt die Crux mit Sojas Gewerbe, das sie als Tarnung vorsichtshalber angemeldet hat. Das besteht in einer Nähwerkstatt für Arbeiter und Angestellte.

Einziger Arbeiter dort aber ist der Chinese Heruwim (Alexander Andrejew), was soviel wie „Engelchen" heißt. Und den hat Soja auch nur deshalb eingestellt, weil er ein exzellenter Drogenkurier ist. In Sojas Wohnung tauchen nach und nach aber noch weitere Gäste auf und nisten sich ein. Wie zum Beispiel der ehemalige Graf Pavel Fjodorowitsch Aboljaninow (Wladimir Tschurikow), der Administrator Alexander Tarassowitsch Amethystow (Sergej Winogradow) und als wichtigste Figur im lockeren Treiben überhaupt der schwerreiche kaufmännische Direktor des „Trusts für schwerschmelzbare Metalle" Boris Semjonowitsch Gus (Ilja Zelnik), der die Taschen voller Geld hat und recht großzügig damit umgeht. Und wie es das Schicksal (oder der Autor selbst) so will – der bleibt am Ende tot auf der Strecke. Was logischerweise die russischen Gesetzeshüter in Gestalt zweier Genossen in Ledermänteln auf den Plan ruft. Damit ist der Traum Sojas zu Ende, sie und alle anderen werden verhaftet.

Die insgesamt siebzehn Darsteller der Gruppe „Expression" zuzüglich eines siebenköpfigen Kammerorchesters sind mit sichtbarer Spielfreude dabei. Daran hat Regisseurin Natela Barsegova wohl den entscheidenden Anteil, denn sie führt ihre Mannschaft großartig durch die zahlreichen dramaturgischen Turbulenzen hindurch. Und geht mit der mitunter sehr überschäumenden Spielfreude ihrer Akteure ebenfalls sehr souverän um. Das Musiktheater „Expression" macht in Dresden mittlerweile schon seit einigen Jahren immer mal wieder von sich reden. Was die Gruppe aber vor allem auszeichnet, ist neben der Freude am Spiel auch die Ernsthaftigkeit, mit der die Darsteller sich ihre Rollen erarbeiten. Und es ist natürlich auch die getroffene Auswahl an spielbaren Stücken für ein Amateurtheater. Dabei ist es auch ganz normal, dass man um einen Autor, wie es Michail Bulgakow war, keinen Bogen machen kann und auch nicht machen will.

info: „Sojas Wohnung" am heutigen Sonnabend 20 Uhr im Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2A, Eintritt: 10 (ermäßigt 8 Euro)

Foto: (Wolfgang Zimmermann): Boris Semjonowitsch Gus (Ilja Zelnik) und Soja Denissowna Pelz (Ljubow Kliuchnikowa) im Stück „Sojas Wohnung".

Von Wolfgang Zimmermann
Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten 27.09.2014 (S.11).

Kategorie: Спектакли | Hinzugefügt von: proband (11.10.2014)
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